Die Zucht des Töltenden Trabers
Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts, also seit fast 200 Jahren, wird das Standardbred (=amerikanischer Traber)
auf Leistung und Härte gezogen. In Deutschland wird das Trabrennpferd gezielt seit dem Ende des 19. Jahrhunderts
gezüchtet. Schon damals wurden Standardbreds importiert, um die deutsche Zucht zu verbessern.
Um Leistungsbereitschaft, Härte, Schnelligkeit und leichte Trainierbarkeit müssen wir uns bei diesen Pferden keine
Sorgen machen, denn darauf sind sie seit langem selektiert und es gibt keine besseren Garantien für diese
Eigenschaften, als konsequente Leistungszucht. Warum also wurde ab 1995 mit der Zucht des Töltenden Trabers
als Reitpferd begonnen?
Zum einen sind die Traber, die aus den Rennpferdezuchten als zu langsam oder mit zuviel „Gang“ ausgestattet,
ausgemustert werden, im Exterieur sehr uneinheitlich und haben auch unterschiedlich ausgeprägte Reitpferdepoints.
Es gibt einige sehr „überbaute“ Pferde unter ihnen, die ihrem Gleichgewicht nachlaufen und sehr stark von hinten
schieben. Die machen sich als Reitpferde schwerer trainierbar, sie haben Schwierigkeiten mit verkürzten Gängen
und versammelnden Übungen, sie neigen zum „abstützen“ auf der Hand und sind meist nur als
Geländeläufer
einsetzbar, zumindest braucht es sehr viel Arbeit, diese Pferde zu "setzen". Zum anderen werden die Freizeittraber
auf Gangveranlagung gezielt gezüchtet und nach sachkundiger Aufzucht 3-4 jährig auf das Reiten vorbereitet, ohne
vorher mit Fahrtraining oder Renngeschehen belastet zu werden. Bei der Zucht von Töltenden Trabern als
Freizeit-Gangpferd wird neben der sorgfältigen „Gang“-Zucht besonderen Wert auf das Reitpferdeexterieur gelegt:
Es werden gesunde Pferde mit deutlichen Reitpferdepoints eingesetzt, die natürlich auch noch über die typischen
Charakter- und Leistungseigenschaften verfügen sollen. Es werden immer wieder geeignete Traber aus den
Rennzuchten verwendet und so soll auf lange Sicht ein etwas einheitlicheres, schönes, im Blut stehendes Gangpferd
gezüchtet werden. Dieses Pferd hat ein durchschnittliches Stockmass zwischen 1,50 m und 1,60 m, einen hübschen
Kopf auf gut angesetztem Hals, schräge Schultern, einen starken, eher kurzen Rücken, eine kräftige, gut gewinkelte
Hinterhand und verfügt über viel Gangveranlagung, aber auch über raumgreifende und fließende andere Gänge.
Mit der Körung des ersten Töltenden Traberhengstes „First Step“ im März 1995 im Rheinland und dem Einsatz zum
Zuchtversuch mit Körung in Bayern des Töltenden Traberhengstes „Speedy John“, wurden die Grundsteine zu einer
solchen Zucht gelegt. So hatte „First Step“ auf seiner Materialprüfung in Aegidienberg 1996 (=Hengstleistungsprüfung)
eine Exterieurnote von 8,32, dies war die Höchste Exterieurnote der dort vorgestellten, insgesamt 100 Gangpferde.
„First Step“ ist deutlich Nicht überbaut (1,50m Stckm, 1,44m Kruppe) und verfügt wie sein Partner in Bayern
„Speedy John“ über sehr gute Reitpferdepoints.
Beide Hengste wurden in Turnierprüfungen erfolgreich vorgestellt und haben durch ansprechende, töltende Nachzucht
ihre Qualität bewiesen. Die ersten Nachkommen dieser Hengste werden 1999 unter den Sattel genommen und es gilt
als sicher, daß sie ihre guten Möglichkeiten, die sie als Fohlen bereits zeigten (von Gang und Charakter), als Töltende
Freizeit und Sportpferde bestätigen werden. Die Nachkommen dieser Hengste werden sowohl im Rheinland wie auch
in Bayern eingetragen.Was sollen denn diese Traber-Partbreds bringen, die ebenfalls gezüchtet werden? Dies mag
nun der eine oder andere fragen! In diesem Falle werden meist gut geeignete Traberstuten mit genetisch verwandten
Gangpferdehengsten anderer Rassen, z.B. Tennessee Walker, Spotted Saddlehorses, American Saddlebreds, Pasos
etc. angepaart. Es gibt auch Zuchtversuche mit töltenden Iberern. Dabei bringt man einerseits „Farbe“ in die Töltenden
Traber, will andererseits schneller gewünschte Reitpferdepoints und "Versammlungsfähigkeiten“ erreichen. Dies fällt
unter „Zuchtversuche“, die F1 Produkte dieser Anpaarungen sind meist sehr ansprechende Pferde, einige aus der
Kreuzung Tennessee Walkern und Pasos sind auch bereits geritten und zeigen sich als gut geeignete Reitpferde
mit viel Naturtölt.
Die Zukunft wird weitere Erkenntnisse über Möglichkeiten und Vor- und Nachteile dieser Zuchten aufzeigen, wir sind
eben noch in den Anfängen, was die gezielte Zucht mit den Töltenden Trabern angeht.
Die IG Töltende Traber betreut
auch diese Partbreds und ihre Reiter, Prüfungen der IG können auch von den Partbreds (ab 50 %) bestritten werden
und die Landesverbände tragen diese Kreuzungen, sofern sie aus gekörten Hengsten entstanden sind, in ein Zuchtbuch ein.
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